Kadenz und Gegenwart.
Satztechnik und Zeitgestaltung in den Allemanden J.J. Frobergers


Der vorliegende Band widmet sich einer auf neuartige Weise intensiven wie historisch fundierten Analyse der Froberger"schen Musik am Beispiel der für sein Schaffen zentralen Gattung der Allemande. Denn ausgerechnet Tanzmusik erscheint bei Froberger auf bis dahin ungeahnte Weise vergeistigt. Und so führt die Auseinandersetzung mit seinen Allemanden durch das Dickicht ihrer elaborierten Satztechnik hindurch über kompositorische Fragen der Zeitgestaltung hin zur Dechiffrierung ihrer existenziellen Dimension, der subjektiven Erfahrung von Zeit und Zeitlichkeit. Aus der Perspektive des Zeiterlebens wird das Phänomen »Tonalität« neu beleuchtet und eine Brücke zwischen Kompositions- und Geistesgeschichte geschlagen, die die Musik Frobergers in einem doppelten Sinne gegenwärtig erscheinen lässt: denn indem sie, um mit den Worten Hannah Arendts zu sprechen, eine »Gegenwart für sich selbst schuf«, ist sie zugleich zeitlos und noch immer aktuell.




Kadenz- und Zeitgestaltung in Frobergers Meditation sur ma mort future

Treatment of Cadence and Time in Froberger’s »Meditation sur ma mort future« – Froberger’s allemandes appeal to the listener both through their elaborate compositional fabric and their spiritual richness. In Meditation sur ma mort future, both these aspects reach their zenith. By means of an extremely bold formal and harmonic conception, Froberger composes the timeless moment of meditative immersion of a subject that becomes aware of its own temporality.









Der musikalische Aphorismus in der Wiener Schule
Form, Technik und Atonalität


Mit den zwischen 1909 und 1914 komponierten kurzen Instrumentalstücken der Wiener Schule erfährt der literarische Aphorismus sein genuin musikalisches Pendant. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Voraussetzungen des aphoristischen Stils sowie dessen Ausprägung in formaler, materieller und kompositionstechnischer Hinsicht anhand dreier ausgewählter Kompositionen.
Trotz einiger äußerlicher Gemeinsamkeiten und enger ästhetischer Verwandtschaft, die das Bild der Schule traditionell akzentuiert, haben die drei Wiener Komponisten das gemeinsame ästhetische Ziel einer zugleich fasslichen wie in höchstem Grade verdichteten Musik auf jeweils ganz persönliche Weise verwirklicht. Die grundsätzlich unterschiedlichen Strategien werden durch die Gegenüberstellung der Stücke deutlich. Anhand eines Vergleichs mit Schumanns Träumerei wird darüber hinaus der Frage nachgegangen, inwieweit – obwohl sich "das harmonische Fundament geändert hat – alle anderen Elemente der bisherigen Musik auch in der neuen vorhanden sind" (Berg) und so eine Verbindung zur Vergangenheit hergestellt. Ebenso wie die Kompositionen selbst verwehrt sich die Analyse jeglichen im Voraus systematisierten Methoden; denn die spezifischen kompositionstechnischen Verfahren sind in den Werken selbst zu entdecken, weisen aber gleichzeitig über sie hinaus.